Traumapädagogik

Trauma verstehen wir als eine tiefe seelische Verletzung, die das Kind in seinem Grundbedürfnis nach Schutz, Geborgenheit und Unversehrtheit so elementar erschüttert und überwältigt, dass es den Glauben an sich selbst, die eigene Handlungsfähigkeit und seine Umwelt verliert.

In Folge dessen kann sich eine posttraumatische Belastungsstörung ausprägen, die einhergeht mit erheblichen Beeinträchtigungen des Erlebens, Denkens, Fühlens, des Handelns und der sozialen Interaktion.

Bei diesen Kindern erleben wir:

  • tiefgreifende Bindungsstörungen
  • grundsätzliche Verunsicherung
  • Stimmungsschwankungen mit mangelnder – oder  Verlust – der Impulskontrolle
  • Hyperaktives Verhalten
  • Vermeidungs- und Verweigerungsverhalten
  • Lern- und Schulschwierigkeiten, da wenig Energie für kognitive Lernprozesse zur Verfügung stehen
  • herausforderndes und unangepasstes Verhalten
  • Regression und Retardierung

Das traumatische Erleben überflutet und überfordert das kindliche Gehirn und die kindlichen Verarbeitungsmöglichkeiten so massiv, dass die eigentlichen Erlebniszusammenhänge verloren gehen und nicht als Ganzes abgespeichert oder später erinnert werden können. Zurück bleiben einzelne, nicht mehr in einen Zusammenhang zu bringende Erinnerungssplitter (Bilder, Geräusche, Gerüche), die das Kind als Flashbacks oder Intrusionen mit dem Wiedererleben des Traumas konfrontieren. Die damit einhergehenden Gefühle und die meist nicht verstehbaren, scheinbar unangepassten Verhaltensweisen, erfordern eine besonders achtsame pädagogische Arbeit.

Unsere Kinder- und Jugendwohngruppen möchten junge Menschen auf ihrem Heilungsweg:

  • Sicherheit und Schutz gewähren, Grenzen wahren
  • neue Bindungserfahrungen ermöglichen
  • Wertschätzung für ihre Lebensgeschichte und die Herkunftsfamilie entgegen bringen
  • Ermutigen und Herausfordern
  • Begleiten und Stärken
  • Trösten und Aushalten und Annehmen
  • Zugehörigkeit anbieten
  • Perspektiven aufzeigen
  • Kind-sein-ermöglichen
  • Irritierende Verhaltens- und Gefühlszustände erklären, der Selbstkontrolle übergeben und auflösen