Partizipation

Partizipation bedeutet Teilhabe und/oder Mitwirkung.

Wir wollen Partizipation als ein grundlegendes Prinzip in unserem Alltag verankern. Dabei geht es nicht so sehr um das Anliegen, den jungen Menschen punktuell Entscheidungen treffen zu lassen. Vielmehr geht es um eine Haltung und die Akzeptanz der Tatsache, dass zu Entwicklung immer auch das Erfahren von Selbstwirksamkeit, das Erweitern von Entscheidungsspielräumen und das Tragen der daraus resultierenden Verantwortung gehört.

In diesem Sinne ist es unser Ziel, den jungen Menschen vielf√§ltig und wann immer m√∂glich an Entscheidungen zu beteiligen und mit fortschreitendem Alter auch selber zu √ľberlassen. Als Voraussetzung sehen wir an, dass unsere Wohngruppe als sicherer Ort und gesch√ľtzter Rahmen erlebt wird. Die jungen Menschen d√ľrfen sich ausprobieren und Fehler machen. Die Betreuer kennen die St√§rken und Schw√§chen der Kinder sowie ihre M√∂glichkeiten und Vorlieben, aber auch ihre Begrenztheiten.

Partizipation dr√ľckt sich bei uns zum Beispiel aus durch:

  • Sensibilisierung der Mitarbeiter f√ľr den Partizipationsgedanken schon bei der Einstellung
  • Information der Kinder √ľber ihre M√∂glichkeiten zum Wahrnehmen ihrer Rechte
  • Sorge, Beschwerde- und Ideen-Briefkasten.
  • Regelm√§√üige Einzelgespr√§che zwischen Bezugserzieher und Kind
  • Beteiligung an den Hilfeplangespr√§chen
  • Ermutigung und Unterst√ľtzung zum Auspr√§gen der eigenen Individualit√§t
  • √úbertragen und Erweitern von Verantwortungsbereichen
  • Projektbezogenes Sozial- Kompetenz- und Identit√§tstraining
  • Gestaltung des eigenen Zimmers
  • Mitbestimmung bei der Auswahl des Essensangebotes
  • Vorschl√§ge und Abstimmung √ľber gemeinsame Aktivit√§ten (Ausfl√ľge, Urlaub, Gruppenangebote)
  • Freizeitgestaltung je nach Interessenlage
  • Auswahl der eigenen Kleidung
  • Anleitung zum selbstbestimmten Leben

 

Bei uns ist die Beteiligung der jungen Menschen eine gelebte Selbstverständlichkeit.

Wir sind uns jedoch bewusst, dass wir junge Menschen betreuen, die zum Teil in den Grundfesten ihrer Identit√§t ersch√ľttert sind. Wir wissen, dass Kinder, die toxischen Einfl√ľssen- oder auch der Einnahme von toxischen Substanzen ausgesetzt waren, weitreichende Folgesch√§den davon tragen k√∂nnen. Auch neurobiologisch werden Spuren hinterlassen, die mitverantwortlich sein k√∂nnen f√ľr Beeintr√§chtigungen des kindlichen Urvertrauens, des Bindungsaufbaues, der Eigen- und Fremdwahrnehmung sowie der Bewertungsgrundlagen und Denkprozesse.

Vor diesem Hintergrund wollen wir zun√§chst einmal f√ľrsorglich und mit aller n√∂tigen Zeit, die Verantwortlichkeiten √ľbernehmen, die bislang nicht hinreichend f√ľr das Kind getragen wurden. Es kann in Folge zu Retardierung oder Regression kommen.

Wir wollen sensibel sein, f√ľr das richtige Ma√ü an Beteiligung und verstehen Beteiligung nicht so, dass Entscheidungen, die von zust√§ndigen Fachkr√§ften getroffen werden m√ľssen, auf die Kinder geladen werden.