Wir & gemeinsam

Sicherheit & Rundumbetreuung mit Herzblut, Tieren und Natur

Kinder- und Jugendwohngruppen Belitz & Reitpädagogisches Angebot

Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Eltern leben können, finden in unseren Kinder- und Jugendwohngruppen Belitz (Wendland) ihren neuen Lebensmittelpunkt und wir bemühen uns sehr, diesen zu einem zweiten Zuhause werden zu lassen.

Unser Wohnangebot richtet sich an Kinder und Jugendliche, die – meist schon über eine lange Zeit – mit Schwierigkeiten im sozialen Miteinander konfrontiert waren und sind. Häufig führen diese zu Ablehnung z.B. in der Schule oder in anderen Bereichen und stellen für alle Beteiligten eine enorme Belastung dar. Die betroffenen Kinder oder Jugendlichen fühlen sich unverstanden und schuldig und finden aus eigener Kraft weder gute Lösungs- noch Auswege.

Der (vorübergehende) Einzug in eine unserer Wohngruppen kann hier eine geeignete und pädagogisch sinnvolle Alternative zum Verbleib im Elternhaus oder anderen Bezügen sein. Wir richten unser Augenmerk nicht in erster Linie auf die Schwierigkeiten der Kinder oder Jugendlichen, sondern begegnen ihnen wertschätzend und mit warmherziger Anteilnahme, sodass ein Heilungsprozess angestoßen werden kann.

Zu diesem trägt nicht zuletzt auch die Lage unserer Wohngruppen bei: Die ländliche Umgebung bietet nicht nur unseren Kindern und Jugendlichen den nötigen Raum, zu sich selbst zurückzufinden und sich neu zu positionieren, sondern auch uns den idealen Rahmen für eine achtsame und traumasensible pädagogische Arbeit.

Unsere Ziele

Unser vorrangiges Ziel ist nicht, dass ein junger Mensch, der in eine unserer Wohngruppen einzieht, sich an die gegebenen Bedingungen anpasst, sondern wir wollen diese Bedingungen so gestalten, dass in ihm der Wunsch nach Veränderung und Zugehörigkeit entsteht und er aus eigenem Antrieb neue Wege beschreiten möchte.

Unsere weiteren Ziele:

  • Wir ermöglichen die Teilhabe
    • am Leben in der Gemeinschaft,
    • am Bildungssystem und
    • an Freizeitaktivitäten.
  • Wir machen unsere Wohngruppen zu einem sicheren Ort für Körper, Geist und Seele.
  • Wir bieten emotionale Sicherheit durch ein verlässliches, belastbares und professionelles Beziehungsangebot.
  • Wir gewährleisten Kontinuität durch eine auf Dauer angelegte Lebensform mit festen Strukturen.
  • Wir fördern die Entwicklung von Lebens- und Zukunftsperspektiven.
  • Wir ermöglichen das Eingehen altersentsprechender Freundschaften und das Erleben einer stützenden sozialen Gemeinschaft innerhalb der Wohngruppe.
  • Wir kümmern uns um sinnvolle Freizeitbeschäftigungen.
  • Wir unterstützen das Erreichen eines Schul- oder einer Ausbildungsabschlusses.
  • Wir kennen und nehmen den individuell lebensgeschichtlichen Hintergrund an.
  • Wir ermöglichen förderliche Kontakte mit der Herkunftsfamilie.
  • Wir stärken den Selbstwert und ermöglichen Selbstwirksamkeitserlebnisse.
  • Wir erweitern soziale Kompetenzen.
  • Wir schulen Alltagskompetenzen und lebenspraktische Fähigkeiten.

Wir erreichen diese Ziele durch:

  • Ein Bezugsbetreuersystem, das auf kompetente Mitarbeitende mit guten Fachkenntnissen zurückgreift, um neue Bindungserfahrungen zu ermöglichen
  • Einen wertschätzenden Umgang mit den Kindern und Jugendlichen und innerhalb des Teams
  • Unsere Vorbildfunktion, die wir bewusst als Werkzeug einsetzen
  • Die Annahme der Kinder und Jugendlichen als Individuen mit ihren ganz eigenen Wünschen und Möglichkeiten, aber auch Verwundungen und Begrenztheiten
  • Methodenvielfalt und Professionalität
  • Eine individuelle Erziehungsplanung, die sich an den Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen orientiert
  • Alltags- und Sozialtraining
  • Akzeptierende Eltern- und Biografiearbeit

Partizipation

Wir haben Partizipation, also Teilhabe und Mitwirkung, als grundlegendes Prinzip in unserem Alltag verankert. Dabei geht es nicht so sehr um das Anliegen, den jungen Menschen punktuell Entscheidungen treffen zu lassen. Vielmehr geht es um eine Haltung und die Akzeptanz der Tatsache, dass zu Entwicklung immer auch das Erfahren von Selbstwirksamkeit, das Erweitern von Entscheidungsspielräumen und das Tragen der daraus resultierenden Verantwortung gehört.

In diesem Sinne wollen wir die jungen Menschen vielfältig und wann immer möglich an Entscheidungen beteiligen und mit fortschreitendem Alter auch selber überlassen. Voraussetzung dafür ist, dass unsere Wohngruppen als sicherer Ort und geschützter Rahmen erlebt wird. Die jungen Menschen dürfen sich ausprobieren und Fehler machen, die Betreuenden kennen deren Stärken und Schwächen, Möglichkeiten und Vorlieben, aber auch deren Begrenztheiten.

Partizipation drückt sich bei uns z. B. aus durch:

  • Sensibilisierung der Mitarbeitenden für den Partizipationsgedanken schon bei der Einstellung
  • Information der Kinder und Jugendlichen über ihre Möglichkeiten zum Wahrnehmen ihrer Rechte
  • Sorge-, Beschwerde- und Ideenbriefkasten
  • Regelmäßige Einzelgespräche zwischen Bezugsperson und Kind
  • Beteiligung an den Hilfeplangesprächen
  • Ermutigung und Unterstützung zum Ausprägen der eigenen Individualität
  • Übertragen und Erweitern von Verantwortungsbereichen
  • Projektbezogenes Sozialkompetenz- und Identitätstraining
  • Gestaltung des eigenen Zimmers
  • Mitbestimmung beim Essensangebot
  • Vorschläge zu und Abstimmung über gemeinsame Aktivitäten (Ausflüge, Urlaub, Gruppenangebote)
  • Möglichkeit zur individuellen Freizeitgestaltung
  • Auswahl der Kleidung
  • Anleitung zum selbstbestimmten Leben

Wir sind uns jedoch bewusst, dass wir junge Menschen betreuen, die tief verletzt und in den Grundfesten ihrer Identität erschüttert sind und dadurch in ihrem kindlichen Urvertrauen, im Bindungsaufbau, in der Eigen- und Fremdwahrnehmung sowie in ihren Bewertungsgrundlagen und Denkprozessen beeinträchtigt sind. Vor diesem Hintergrund übernehmen wir selbstverständlich fürsorglich und für einen individuell angemessenen Zeitraum die nötigen Verantwortlichkeiten, die unter Umständen bislang nicht hinreichend für das Kind getragen wurden.

Traumapädagogik

Unter Trauma verstehen wir eine tiefe seelische Verletzung, die einen jungen Menschen in seinem Grundbedürfnis nach Schutz, Geborgenheit und Unversehrtheit so elementar erschüttert und überwältigt, dass er den Glauben an sich selbst, die eigene Handlungsfähigkeit und seine Umwelt verliert. In Folge dessen kann sich eine posttraumatische Belastungsstörung ausprägen, die mit erheblichen Beeinträchtigungen des Erlebens, Denkens, Fühlens, des Handelns und der sozialen Interaktion einhergeht. Bei solchermaßen traumatisierten Kindern und Jugendlichen erleben wir:

  • Tiefgreifende Bindungsstörungen
  • Grundsätzliche Verunsicherung
  • Stimmungsschwankungen mit mangelnder oder fehlender Impulskontrolle
  • Hyperaktives Verhalten
  • Vermeidungs- und Verweigerungsverhalten
  • Lern- und Schulschwierigkeiten, da wenig Energie für kognitive Lernprozesse zur Verfügung steht
  • Herausforderndes und unangepasstes Verhalten
  • Regression und Retardierung

Das traumatische Erleben überflutet und überfordert das kindliche Gehirn und die kindlichen Verarbeitungsmöglichkeiten so massiv, dass die eigentlichen Erlebniszusammenhänge verloren gehen und nicht als Ganzes abgespeichert oder später abgerufen werden können. Zurück bleiben einzelne, nicht mehr in einen Zusammenhang zu bringende Erinnerungssplitter (Bilder, Geräusche, Gerüche), die den jungen Menschen als Flashbacks oder Intrusionen mit dem Wiedererleben des Traumas konfrontieren. Die damit einhergehenden Gefühle und die meist nicht verstehbaren, scheinbar unangepassten Verhaltensweisen erfordern eine besonders achtsame pädagogische Arbeit. In unseren Kinder- und Jugendwohngruppen sind wir daher bestrebt, den/die jungen Menschen auf ihrem Heilungsweg

  • Sicherheit und Schutz zu gewähren und ihre Grenzen zu wahren,
  • neue Bindungserfahrungen zu ermöglichen,
  • Wertschätzung für ihre Lebensgeschichte und die Herkunftsfamilie entgegenzubringen,
  • zu ermutigen und herauszufordern,
  • zu begleiten und zu stärken,
  • zu trösten, auszuhalten und anzunehmen,
  • Zugehörigkeit anzubieten,
  • Perspektiven aufzuzeigen,
  • das Kind-Sein zu ermöglichen,
  • irritierende Verhaltens- und Gefühlszustände zu erklären, der Selbstkontrolle zu übergeben und aufzulösen.

Elternarbeit

Wir wissen, wie wichtig die Eltern und deren Einflussnahme, das ursprüngliche Familiensystem und die generationshistorische Wirksamkeit sind, und legen deshalb Wert auf eine wertschätzende Elternarbeit – jedoch steht dabei das Wohlergehens des Kinds für uns selbstverständlich an erster Stelle.

Entsprechend den Vereinbarungen im Hilfeplangespräch können die folgenden Maßnahmen Eckpunkte unserer Elternarbeit sein:

  • Besuche (Koordination, Durchführung und Reflexion)
  • Planung und Umsetzung einer Rückführung
  • Telefonate, Briefe, E-Mails (Skype-Kontakte nur im Ausnahmefall)
  • Regelmäßige Information der Eltern über die Entwicklung ihres Kinds sowie deren Beteiligung an anstehenden Entscheidungen
  • Biografiearbeit im Rahmen von Projektangeboten und den Bezugsbetreuungszeiten

Die Entscheidung, unsere Wohngruppen als sicheren Ort für traumatisierte Kinder und Jugendliche zu gestalten, beinhaltet den Schutz vor Retraumatisierungen, auch durch Kontakte. Deshalb prüfen und beraten wir sehr sorgfältig und parteilich für das Kind, ob und wie Besuche stattfinden können.